Proteste helfen: Ruqqiya Bibi und Munir Masih freigelassen

Am 3. März 2010 wurden in Kasur Ruqqiya Bibi und ihr Ehemann Munir Masih zu 25 Jahren Gefängnis wegen "Verunglimpfung des Koran" nach §295B des pakistanischen Strafrechts verurteilt. Ihnen wurde vorgeworfen, im Dezember 2008 die hl. Schrift des Islam ohne vorherige rituelle Waschung berührt zu haben. Nach 5 Jahren Haft wurden sie freigelassen. (Quelle: IGfM, Stand August 2013)

Proteste helfen: Younis Masih freigelassen

Am 3.4.2013 wurde Younis Masih vom obersten Gerichtshof in Lahore freigesprochen und am 9.4.2013 nach 8 Jahren Haft freigelassen. Seitdem befindet er sich mit seiner Familie an einem sicheren Ort.

Der zu dem Zeitpunkt seiner Verhaftung 35-jährige pakistanische Christ Younis Masih, Vater von drei Kindern, war am 30. Mai 2007 wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilt worden. Er hatte am 9. September 2005 an der Feier der muslimischen Gemeinde in Amus Sadhu zum Gedenken eines lokalen Sufi-Heiligen teilgenommen. Weil er sich über die Bedeutung der Sufi-Heiligen auskannte, wollte er sein Wissen anbringen und befragte ausgerechnet den Vorbeter der Moschee nach der Bedeutung des Festes. Dabei kam es zu einem Streit darüber, ob ein Christ einen Muslim in Glaubensdingen belehren dürfte. Am nächsten Tag wurde er von etwa 40 Muslimen überfallen und bewusstlos geschlagen. Die Menge ließ erst von ihm ab, als sie ihn für tot hielt. Masihs Ehefrau Meena Masih, die ebenfalls geschlagen wurde, und ein Cousin brachten den schwer Verletzten nach Hause. Als er wieder bei Kräften war, zeigte er die Täter an. Seine Frau erklärte bei einer Pressekonferenz am 14. September 2005 in Islamabad, dass muslimische extremistische Organisationen die Christen der Region bedrohten, Häuser überfielen, Kirchen und Bibeln entweihten. "Wir fürchten um unser Leben und haben Angst, von Extremisten umgebracht zu werden." Strafanzeigen der Pakistanischen Minderheitenallianz (APMA) gegen die Täter nimmt die Polizei nur widerwillig auf. Die Täter beschuldigten Younis Masih nun, den Propheten Mohammed und den örtlichen Imam beleidigt zu haben. Das bestreiten Masih und seine Frau. Der islamische Geistliche, der die Feier abgehalten hatte, reichte Klage gegen Masih wegen Blasphemie ein.
 
Während des Gerichtsverfahrens wurden die Aussagen des Christen per Videoaufnahme in den Gerichtssaal übertragen, um seine Sicherheit zu gewährleisten. Der Anwalt des muslimischen Geistlichen, der die Klage gegen Masih eingereicht hatte, bedrohte nach Angaben der IGFM während des Prozesses den Verteidiger des Angeklagten, Parvez Aslam Choudry. Ein anonymer Anrufer hatte am 9. Juni 2007 dem Anwalt und dessen Mandanten mit der Ermordung gedroht.
 
Ein Gericht in Lahore im Osten Pakistans verurteilte Younis Masih am 30. Mai 2007 zum Tode wegen angeblich abfälliger Äußerungen über den Propheten Mohammed und entschied gleichzeitig, dass er zusätzlich eine Geldstrafe von umgerechnet 1.230 Euro zahlen muss. Younis Masih befand sich im Manmali-Gefängnis in der Nähe von Lahore in Haft. Er wurde zwei Mal von Mitgefangenen überfallen und schwebte in der Gefahr, in der Haft von extremistischen Muslimen misshandelt oder umgebracht zu werden. Sein Berufungsverfahren wurde am 17.12.2012 verschoben, da der Richter unter dem Druck von radikalen Islamisten nicht erschienen war. Am 8.1.2013 erlitt Younis Masih einen schweren Herzinfarkt, von dem er sich in der Zwischenzeit etwas erholt hat. Im April erfolgte dann die Freilassung. (Quelle: IGfM, Stand Mai 2013)

Proteste helfen: Rimshah Masih freigelassen

Das 14jährige mongoloide Mädchen Rimshah Masih wurde am 18. August 2012 wegen angeblicher Beleidigung des Korans verhaftet. Masjid Quari Khaloid Jadoon, Vorbeter der Moschee in Meran Jaffar nahe Islamabad, hatte ihr eine mit Asche gefüllte Tasche untergeschmuggelt, in der er zuvor zwei Seiten des Korans untergeschmischt hatte. Ein bestellter Zeuge griff das Mädchen an, schlug und misshandelte es, weil sie angeblich Seiten des Koran angezündet haben sollte; herbeigeeilter Mob griff die Familie an und zerstörte deren Eigentum. Die Christen der Region wurden vom Vorbeter aufgefordert, die Gegend zu verlassen, wenn ihnen ihr Leben etwas Wert ist.
Am 7. September 2012 stellte der Richter fest, dass die Vorwürfe gegen Rimshah frei erfunden waren und ließ sie gegen eine Kaution von 500.000 Rupien (umgerechnet etwa 4300 Euro) frei. Rimshah und ihre Familie haben inzwischen in Kanada Asyl erhalten. (Quelle: IGfM, "Für die Menschenrechte" Nr. 10/2012  und Nr.7/2013)

Proteste helfen: Rehmat Masih freigelassen

Der 73 Jahre alte Rehmat Masih aus Jhandewali in der Provinz Punjab wurde im Juni 2011 wegen angeblicher Beleidigung des Propheten verhaftet. Im Verfahren wurde schließlich festgestellt, dass er Opfer einer privaten Racheaktion nach Grundstücksstreitigkeiten geworden war. Die Polizei hatte das nicht untersucht. Im Januar 2012 kam Rehmat frei. (Quelle: IGfM, Stand Februar 2012)

Proteste helfen: Freispruch für Gulsher Masih und seine Tochter Sandal

Der Christ Gulsher Masih und seine Tochter Sandal wurden von einem Gericht der Ersten Instanz in Rawalpindi von sämtlichen Blasphemie-Vorwürfen freigesprochen und freigelassen. Es ist wohl das erste Mal in Pakistan überhaupt, dass eine derartige Freilassung bereits von einer niederen Gerichtsinstanz angeordnet worden ist.

Am 9. Oktober 2008 wurden der 40-jährige Gulshare Masih und seine 19 Jahre alte Tochter Sandal Gulshare aus dem Dorf Gojra Chak von fanatischen Muslimen, die Unruhe unter den ortsansässigen Christen schüren wollten, beschuldigt, den Koran beleidigt und sich damit der Blasphemie schuldig gemacht zu haben. Die beiden Christen sollen angeblich Seiten aus dem Koran gerissen haben. Dieser Vorwurf wurde über Moschee-Lautsprecher verbreitet. Als eine etwa 500-köpfige Menge aufgebrachter Muslime das Haus umzingelte, es mit Steinen bewarf und anzünden wollte, schritt die Polizei ein und verhaftete die beiden - angeblich zu ihrem Schutz. Unter dem Druck der Fanatiker wurde eine Anklageschrift nach Artikel 295 B des Blasphemie-Gesetzes aufgesetzt, was ein Todesurteil zur Folge haben kann. Später wurde der Vater in das Bezirksgefängnis für Männer und seine Tochter ins Bezirksgefängnis für Frauen in Faisalabad gebracht, aus dem sie nun freigelassen wurden.

Proteste helfen: Dr. Robin Sardar Bahin freigelassen

Dr. Robin Sadar Bahin, 55 Jahre alt, Vater von sechs Kindern, ist Arzt, leitet eine Klinik in Chack Chattah im Hafizabad Punjab Distrikt und ist Vorsitzender der Christlichen Wohlfahrtsorganisation Hafizabad. Dem Christen wurde vorgeworfen, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Er war seit Anfang Mai 2008 im Zentralgefängnis von Gujranwala. Am 4. November 2008 hob ein Gericht den Haftbefehl gegen Dr. Robin Sardar Bahin auf mit der Begründung, die Anklage würde auf einem Missverständnis beruhen. Nach Freilassung musste Dr. Bahin aus Angst vor Verfolgung durch militante Muslime untertauchen.

Die Vorgeschichte:

Laut IGFM hatte der Muslim Mohammad Rafique Ende 2007 den Arzt Bahin gebeten, einen Schuhverkaufsstand vor dem Krankenhaus eröffnen zu dürfen, was dieser ablehnte. Rafique beschuldigte daraufhin den Arzt der Verunglimpfung Mohammeds. Am 4. Mai 2008 zeigte er Dr. Sadar bei der Polizeistation Hafizabad wegen Blasphemie entsprechend § 295 C des pakistanischen Strafgesetzbuches an. Er drohte der Polizei damit, dass die muslimische Gemeinde wegen dieser Sache gegen die Polizei und die christliche Siedlung protestieren werde. Sollte die Polizei gegen Dr. Sadar nicht entsprechend § 295 C vorgehen, würden sie das Haus mitsamt der Familie anzünden. Unter diesem Druck nahm die Polizei das Verfahren auf. Am späten Nachmittag des 5. Mai versammelte sich eine Menschenmenge fanatischer Muslime vor dem Haus von Dr. Sadar und forderte ihn auf herauszukommen. Sie nannten ihn einen Schurken und kündigten an, sein Haus abzufackeln. Dr. Sadar informierte die Polizei, die große Mühe hatte, Dr. Sadar aus dem Haus zu holen und vor der aufgebrachten Menge zu schützen. Die Polizei brachte ihn zur lokalen Polizeistation von dort sofort ins Gefängnis.

Die pakistanische christliche Menschenrechtsorganisation CLAAS nahm den Fall Dr. Sadar auf und versicherte der Familie ihren Beistand.
Währenddessen berichtete Dr. Shamaun Ghori, ein Neffe von Dr. Sadar, der eine Arztpraxis etwa 20 km entfernt leitet, dass er sich nicht mehr sicher fühle. Zu ihm seien Leute gekommen, die Dr. Sadar töten wollten und angedroht hatten, alle muslimischen Organisationen zu vereinigen, um dessen gesamte Familie auszulöschen. Frau und Familie von Dr. Sadar haben in der Zwischenzeit aus Angst vor Übergriffen alles verlassen, halten sich versteckt und stehen vor einer Ungewissen Zukunft. Die Christen der gesamten Region fürchten nun, dass jederzeit ein Angriff auf sie beginnen könnte.

Proteste helfen: James Masih und Buta Masih freigelassen

Der 65jährige James Masih und der 70jährige Buta Masih, zwei leseunkundige Nachbarn, wurden Anfang November 2006 verhaftet, weil sie beim Vernichten von Müll angeblich Koranseiten mitverbrannt haben sollen. Anscheinend waren sie Opfer der Rache eines Moslems, der sich vergeblich bemüht hatte, das Haus von James Masih zu kaufen. Die beiden entgingen nur knapp dem Lynchmord durch Hunderte aufgebrachter religiöser Extremisten, da sie in letzter Minute von der Polizei verhaftet wurden. Im Bezirksgefängnis von Faisalabad kam es auch zu tätlichen Angriffen auf die beiden.
Wegen "Verunglimpfung des Koran" wurden sie am 24. November 2006 zu 10 Jahren Haft verurteilt.
Im April 2009 erfolgte dann der Freispruch nach einem sich lang hinziehenden Berufungsverfahren.

Proteste helfen: Shabaz Masih freigesprochen

Ein Gericht in Faisalabad hatte den geistig-behinderten Shabaz Masih am 25.9.2004 wegen Verunglimpfung des Korans zu 25 Jahren Haft verurteilt. Er soll angeblich in der Nähe Faisalabads mit Koranversen bedruckte Blätter zerrissen haben. Der 28-jährige war seit Juni 2001 in einem überfüllten Gefängnis für Geisteskranke inhaftiert. Obwohl ein psychiatrische Gutachten seine geistige Behinderung bestätigte und das pakistanische Strafgesetzbuch normalerweise die Verurteilung einer geistesgestörten Person verbietet, wurde Shabaz Masih vom Richter verurteilt. Am 19.1.2007 wurde er vom Höchstgericht in Lahore freigesprochen.

Proteste helfen: Shahid Masih ist frei

Der 17jährige pakistanische Christ Shahid Masih war im September 2006 angeklagt worden, Buchseiten zerrissen zu haben, die eine Auslegung von Koranversen enthielten. Mehr als 4 Monate nach der Anklage ist er am 19. Januar 2007 auf Kaution aus der Haft entlassen worden und untergetaucht.

Proteste helfen: Freispruch für Ranja Masih

Der Christ und sechsfache Familienvater Ranjha Masih wurde 8 Jahre lang im Zentralgefängnis von Faisalabad zu Unrecht festgehalten. Er soll beim Beerdigungszug für Bischof John Joseph von Failsalabad angeblich ein Reklameschild mit Koranversen beschädigt haben. Seit dem 8.5.1998 befand er sich in Haft und wurde 5 Jahre später, am 26.4.2003, zu lebenslanger Haft und einer Geldstrafe von 50.000 Rupien verurteilt. Am 10.11.2006 ist er im Berufungsverfahren vom Obersten Gerichtshof in Lahore vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen worden. Der Staatsanwalt hatte die Todesstrafe gefordert.
Weil radikale Muslime das Urteil der ersten Instanz weiterhin zu vollstrecken suchen, wird Ranja Masih noch viele Monate versteckt werden müssen, bevor er als freier Mann zu seiner Familie zurückkehren kann.

Proteste helfen: Freilassung von Anwer Masih und Freispruch

Am 4. Juni 2004 wurde der wegen Blasphemie angeklagte Christ Anwer Masih nach halbjähriger Haft aus dem Bezirksgefängnis in Lahore gegen Kaution freigelassen.

Der 30jährige Tagelöhner und vierfache Familienvater aus Shadra hatte angeblich einen muslimischen Nachbarn wegen seines Bartes beleidigt. Bei einem zufälligen Treffen am 28.11.03 hatte Anwer seinen früheren Nachbarn Naseer Ahmad gefragt, warum er sich einen Bart habe wachsen lassen. Er wusste nicht, dass Naseer Ahmad vom Christentum zum Islam übergetreten war. Dieser reagierte gereizt, dass der Bart islamischer Brauch sei und dass jeder Prophet einen Bart habe. Einen Tag darauf bestürmten militante Moslems Anwers Haus, warfen Steine und stießen Todesdrohungen aus. Die Polizei nahm eine Anklage gegen Anwer Masih in dessen Abwesenheit auf. Am 30.11.03 wurde er verhaftet und eine Anzeige wegen "Verletzung religiöser Gefühle" und "Prophetenbeleidigung" eingereicht. Vom zuständigen Polizeidirektor wurden nur die Aussagen von drei nicht anwesenden Muslimen, nicht aber die Aussagen von zwei christlichen Augenzeugen aufgenommen. Nach Aussagen von Anwers Anwälten wurde er im Gefängnis von Mitgefangenen bedroht; ein islamischer Geistlicher besuchte ihn im Gefängnis, schlug ihn und drohte ihm, ihn zu töten.

Am 17.12.2004 schließlich sprach ein Gericht einer unteren Instanz Anwer Masih frei. In der Begründung stellte der Richter fest, dass es einerseits nach Auffassung des Gerichts keine Augenzeugen gab und andererseits die Aufnahme der Anklage (F.I.R., d.h. First Information Report) nach Artikel 196 der Strafverfahrensordnung einer speziellen Genehmigung bedurft hätte.

Trotz des Freispruchs ist Anwer Masih auf der Flucht vor fanatischen Muslimen.

Proteste helfen: Freispruch für Aslam Masih

Am 7. Mai 2002 wurde der Christ Aslam Masih von einem Gericht in Faisalabad wegen angeblicher "Verunglimpfung des Koran und des Propheten Mohammed" zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt.

Der Schäfer Aslam Masih soll am 29. November 1998 dem Moslem Khadim Hussain ein mit Koranversen beschriebenes Amulett gegeben haben, um es um den Hals seines Hundes zu binden. Das wäre nach islamischer Vorstellung eine provokative Entweihung des Koran und eine Beleidigung des Propheten Mohammed. Als sich in seinem Heimatort Mammun Kanjun (Distrikt Faisalabad) das Gerücht von der angeblichen Blasphemie verbreitete, schlugen Dorfbewohner Aslam und schleppten ihn zur Polizeistation.

Ohne weitere Untersuchung kam es zur Anklage. Im Verfahren gab der Hauptzeuge an, am Tag des vermeintlichen Vorfalls gar nicht in Mammun Kajun, sondern in Karachi gewesen zu sein. Ein Moslem, der für den schreibunkundigen Aslam die Verse geschrieben haben soll, blieb von der Justiz unbehelligt. Nach Angaben der IGFM entbehrt eine auf Hörensagen und Gerüchten beruhende Anklage auch nach pakistanischem Recht jeglicher Grundlage. Die dortige Menschenrechtsorganisation CLAAS legte deshalb Einspruch gegen das Urteil beim Obersten Gerichtshof in Lahore ein.

Nach viereinhalb Jahren Haft wurde Aslam Masih am 4. Juni 2003 in einer 15-minütigen Gerichtsverhandlung vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen.

Trotz der Freilassung muss er weiterhin mit Morddrohungen und Anschlägen rechnen. Nur im Exil könnte er ohne Furcht und in Sicherheit leben.

Proteste helfen: Freispruch für Saalem und Rasheed Masih

Die beiden Brüder Saalem (34, verheiratet, 5 Kinder) und Rasheed Masih (30, verheiratet, 3 Kinder) aus dem Dorf Sabu Mohaal (Provinz Punjab) wurden nach einem Jahr Untersuchungshaft am 11. Mai 2000 wegen angeblicher Blasphemie des Islam und Mohammeds zu hohen Geldstrafen und 35 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Verteidigung hatte trotz des öffentlichen Drucks auf das Gericht doch mit einem Freispruch für beide gerechnet und sofort nach Verkündigung des Urteilsspruchs Berufung eingelegt. Am 19. März 2003 wurden Saleem und Rasheed vom Obersten Gerichtshof in Lahore freigesprochen. Auch unsere Schule hatte sich mit ca. 150 Unterschriften für die Freilassung der beiden eingesetzt.

Die angebliche Blasphemie sollte stattgefunden haben, nachdem sich ein Eiscremeverkäufer geweigert hatte, den Christen in denselben Schüsseln Eis zu servieren, wie seinen moslemischen Kunden. Der Straßenverkäufer hatte später bei der Polizei Beschwerde eingereicht und behauptet, die wütenden Brüder hätten schlechte Bemerkungen über den Islam und Mohammed gemacht. Trotz zahlreicher Widersprüche der Zeugen der Anklage wurden im Schuldspruch mit keinem Wort die Argumente der Verteidigung erwähnt. Offensichtlich hatte der öffentliche Druck von Seiten der moslemischen Bevölkerung das Gericht von einem Freispruch abgehalten. Beobachter hatten am Tag der Verurteilung einen Aufruf aufgenommen, welcher über die Lautsprecher einer dem Gericht nahegelegenen Moschee tönte. Daraufhin versammelten sich zahlreiche Moslems, die unter der Führung von Gebetsleitern die Todesstrafe für die beiden Christen forderten. Dank der Sicherheitsvorkehrungen konnten direkte Angriffe auf die Angeklagten und deren Anwälte verhindert werden. Das Haus der Eltern in Sabu Mohaal wurde jedoch in der Nacht des 5. Mais von in die Luft schießenden Moslems umlagert.

Am 25. Juni 2001 raubten vier bislang unbekannte Täter die Wohnung des Bruders Hamid Masih im Dorf Sabu Mahaal aus und vergewaltigten seine Frau. Beide sorgen zur Zeit für die Frauen von Saalem und Rasheed und deren 8 Kinder. Am 26. Juni stellte Hamid Masih in der Polizeistation Saddar Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Raubes und Vergewaltigung. Nach drei Tagen nahm die Polizei einen verdächtigen Moslem in Untersuchungshaft, der aber nach kurzer Zeit wieder frei kam, da sich dessen Angehörige an einen Justizbeamten des Hohen Gerichts von Lahore gewendet haben. Dieser brachte den Tatverdächtigen vor Gericht und erwirkte seine Freilassung. Anscheinend verfolgte die Polizei den Fall nun sehr widerwillig, weil sie befürchtete, die Familie des mutmaßlichen Täters könne ihrerseits die Polizisten anklagen. Hamid Masih wusste nicht, ob er den Fall weiterverfolgen oder sich lieber ruhig verhalten soll. Für ihn ist jedoch klar, dass er zusammen mit seiner Familie in ein anderes, sichereres Umfeld ziehen wird.

Auch Saalem und Rasheed Masih müssen nach ihrer Freilassung aus Furcht vor Extremisten im Untergrund leben und müssen mittelfristig möglicherweise das Land verlassen.

Proteste helfen: Ein weiterer Freispruch!

Die beiden christlichen Lehrerinnen Fozia Patrick und Farah Hameed wurden wegen einer Liebesgeschichte an der katholischen Schule in Quetta zu 7 Jahren Haft verurteilt. Eine ihrer Schülerinnen, Palwasha Nargis, war mit einem jungen christlichen Mathematik-Lehrer, Saleem Sylvester, durchgebrannt. Die beiden Lehrerinnen wurden darufhin beschuldigt, das Mädchen mit Cola, Drogen und schwarzer Magie gefügig gemacht und dem Jungen übergeben zu haben. Nach drei Monaten wurde das Paar aufgegriffen und das Mädchen seinen Eltern zurückgegeben. Es wurde seitdem unter Druck gesetzt, die gleiche Geschichte, die seine Verwandten angegeben hatten, zu erzählen, um die Ehre seiner Familie zu retten. Auch die Anwälte der Lehrerinnen wurden von der Familie unter Druck gesetzt - vier Anwälte hatten bereits das Mandat niedergelegt. Vor Weihnachten 2002 wurden Fozia Patrick und Farah Hameed vom Gericht in zweiter Instanz für unschuldig erklärt und freigesprochen. Fozia Patrick, die aus einer Mittelklassefamilie stammt, konnte in ihre Heimatprovinz zurückkehren und sich mit Hilfe ihrer Familie wieder in die Gesellschaft integrieren. Nicht so Farah Hameed: Sie kommt aus einer sehr armen Familie, kann nicht nach Quetta zurück, wo sie unterrichtet und wo sie alles verloren hat. Sie will in einer anderen Stadt ein neues Leben beginnen.

Die gute Nachricht ist leider noch nicht das Ende der Not. Nachdem das zivile Gericht die Aufnahme des Falles von Saleem Sylvester, dem Liebhaber, mit dem die 19-jährige muslimische Schülerin durchgebrannt war, abgelehnt hatte, weil jeglicher Straftatbestand fehlte, nahm ihn das Anti-Terror-Gericht in Quetta dagegen an. Der Terroristen-Gerichtshof veruteilte Saleem Sylvester zu 30 Peitschenhieben und lebenslänglicher Haft. Die Polizei hat außerdem seinen gesamten Besitz beschlagnahmt. Die Liebesgeschichte zwischen Saleem Sylvester und dem muslimischen Mädchen hat außerdem ein weiteres unschuldiges Opfer gefordert: Jarvez Massih, ein junger körperbehinderter Mann, der von einer "Sweeperfamilie" (sozial ganz unten stehende Berufsgruppe der Straßenkehrer) abstammt und an der Sacre-Coeur-Schule als Reinigungskraft gearbeitet hat, wurde vom gleichen Gericht zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, weil er in das Kidnapping involviert gewesen sein soll, obwohl es dafür überhaupt keine Beweise gibt. Beide sitzen im Much Jail, im berüchtigsten Gefängnis Pakistans. Der Oberste Gerichtshof in Islamabad hat leider inzwischen die Urteile von Saleem Sylvester und Jarvez Massih bestätigt.

Anschriften für Protestbriefe

Proteste helfen: Der Fall Ayub Masih

Ayub Masih, 33, war seit 1996 für 6 Jahre wegen angeblicher "Beleidigung des Propheten Mohammed" in Haft; ihm drohte der Tod durch Hängen. In einem Grundstückstreit hatten ihn Nachbarn der Blasphemie bezichtigt. Muslimische Bewohner des Dorfes Chak 353/E.B. Arifwala verdächtigten die wenigen christlichen Familien, Bauland von der Regierung zu erhalten. In dieser Situation verwickelte ein muslimischer Nachbar den christlichen Familienvater Ayub Masih in ein religiöses Gespräch. Nach Aussage des Muslims soll Ayub Masih gesagt haben: "Wenn du über deine Religion Bescheid wissen willst, dann lies bei Salman Rushdie nach!" Diese Angabe des Nachbarn reichte aus, Ayub wegen Beleidigung des Islam und des Propheten Mohammed anzuklagen. Nach dem Blasphemiegesetz §295C des pakistanischen Strafrechts steht hierauf die Todesstrafe. Im Oktober 1996 wurde Ayub verhaftet und am 26.4.1998 von einem Gerichtshof in Sahiwal wegen "Beleidigung des Propheten" zum Tode durch Erhängen verurteilt. Die 14 christlichen Familien des Dorfes hatten schon längst Todesdrohungen erhalten und mussten ihre Heimat verlassen. Auch seine Familie musste fliehen. Ihr Haus und ihr Grundstück wurde seinem Ankläger überschrieben. Ayub Masih wurde während der Haft mehrmals gefoltert. Im November 1997 und Januar 1999 verübten Gefängnisinsassen Anschläge auf ihn, die er verletzt überlebte. Seit 14.12.1998 befand er sich im Gefängnis in Multan. Nach dem Tod Bischof John Josephs hatte das Oberste Gericht das Todesurteil zunächst ausgesetzt. Seine Berufung gegen das Todesurteil wegen Blasphemie wurde am 25.7.01 abgelehnt, eine vom obersten Gerichtshof im Februar 2002 angeordnete Berufungsverhandlung führte am 15. August 2002 zu seiner Freilassung wegen erwiesener Unschuld. Er konnte das Land inzwischen verlassen, da er in Pakistan trotz Freispruchs in ständiger Furcht vor Anschlägen leben musste.

Seine Familie wurde zur gleichen Zeit aus ihrem Haus und ihrer Stadt ausgewiesen, das Getreide beschlagnahmt. Sie sind jetzt heimatlos und arbeitslos und müssen ebenfalls mit Anschlägen rechnen. Sie hoffen, dass ein anderes Land Ayub Masih und möglichst auch die ganze Familie aufnimmt und ihr Leid beendet. Nach neueren Informationen befindet sich Ayub Masih inzwischen in einem anderen Land.

 

Ayub Masih wäre mit Sicherheit nicht freigekommen, wenn sich nicht so viele Menschen durch ihre Protestbriefe und Gebete für ihn eingesetzt hätten.