Rückblick auf das Sommerhalbjahr im Schulgarten und auf einen ersten Durchgang des Profilkurses „Tomate und Co“

Nun geht unser Schulgartenprojekt bereits in sein zweites Jahr. Es bildet sich nach den letztjährigen Anfängen auf einem hoffnungslos verwildert erscheinenden Gelände nun langsam eine Art Gartenpersönlichkeit heraus. Auf der einen Seite ließ sich der so lange ungezähmte Garten nur widerwillig auf eine Kultivierung ein und droht an einigen neuralgischen Stellen weiterhin mit einer latenten Giersch-Epidemie, wilder Melde und Knöterich, andererseits zeigt sich mehr und mehr die Güte seiner Bodenbeschaffenheit. Mit Erstaunen sehen wir eine nicht enden wollende Ernte nachwachsenden Schnittsalats, bemerken die ersten dicken Brokkoliköpfe, verfolgen das rasante Wachstum der Frühkartoffeln und der Mangoldreihen. Die beschnittenen Obstbäume reagierten auf ihre Verjüngung mit überreichem Fruchtansatz (insbesondere die Äpfel), sogar das Sorgenkind Birne hat gut angesetzt.

In diesem Jahr wurde die Bewirtschaftung zum ersten Mal von einem Kurs des Profilunterrichts „Gartenbau“, auch unter dem Namen „Tomate und Co“ bekannt, übernommen. Die 27 Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 7 und 8 haben in etlichen Theorie- und Praxiseinheiten gärtnerische Fähigkeiten erworben. Vom Nistkastenbau über Holzgestaltung zur Neubeetanlage, von Zersetzungsprozessen über Keimungsvorgänge zu Bestäubungsmechanismen, es waren viele Inhalte intellektueller und muskulärer Natur zu bewältigen.
Die Schüler haben gesägt und gegraben, gezupft und geschnitten, gegossen und gemäht. Für mich als Lehrer war es oft eine echte Freude, die Jugendlichen schwitzend und mit erdigen Fingern in Aktion zu beobachten.
Natürlich gab es auch Rückschläge: In jugendlicher Ungeduld wurden Samen viel zu dicht gesät und dementsprechend dünne Radieschen geerntet. Unkraut wurde nur oberflächlich abgerissen und wuchs in der kommenden Woche umso kräftiger an gleicher Stelle. Gerade Keimendes wurde durch zu forsches Bewegen in den Beeten wieder zertreten. Achtsamkeit musste als eines der Hauptprinzipien gärtnerischen Wirkens erkannt werden!
Das Wetter meinte es gut mit unserem Kurs. Der kalte und frostreiche Winter hatte den Boden locker und gar gemacht, und durch die früh einsetzende warme Witterung konnten wir viele Kulturen bereits früh anlegen.
Nur am 26. März war es kalt, regnerisch und windig. Auf diesen Tag hatte die Bio-Fachgruppe des Kollegiums eine besondere Aktion gelegt. Der Torso des ursprünglichen Schuppens wurde abgebaut und ein neues großes Metall-Gartenhaus errichtet. Wie viele Schrauben und Muttern an diesem Tag zusammengefügt wurden, lässt sich nicht mehr errechnen. Das Ergebnis jedoch ist zweifellos eine echte Steigerung gegenüber dem ursprünglichen „Gebäude“. Herzlichen Dank an die Kollegen!
Das theoretische Fachwissen der Schüler wurde in Form einen einstündigen „Kleinen Gartenbau-Examens“ abgefragt. 36 Fragen zu allen Bereichen des Gartenbaus waren in Form eines Multiple Choice-Testes zu bewältigen, z.B.

07) Die beste chemische Zusammensetzung eines Komposthaufens
      a) hat das Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis von 30:1
      b) hat das Stickstoff-Kohlenstoff-Verhältnis von 30:1
      c) hat das Stickstoff-Kalium-Verhältnis von 1:30

oder

16) Nachtschattengewächse haben ihren Namen wahrscheinlich davon, dass
      a) sie meist in einigen Pflanzenteilen giftig sind und nach dem Verzehr
          Schaden (Schatten) verursachen
      b) sie Nachts durch ihre zumeist großen Blätter besonders dunkel wirken
      c) sie nach dem Volksglauben durch Anpflanzen im Hausgarten Schaden
          von den Bewohnern abwenden

Hätten Sie es gewusst, ihr auch?
Mit der Kartoffelernte in der letzten Woche vor den Ferien geht nun die erste Hälfte dieser Schulgartenperiode zu Ende. Schnell wachsende Gurken werden den Platz der Frühkartoffeln einnehmen, so dass neben Möhren und Tomaten auch nach den Ferien für weitere Ernten gesorgt ist.

Schöne Sommerferien wünscht Ihnen, euch und uns Thomas Ivanovs

Januar 2009

Ein neues Gartenjahr steht an. Noch ist der Boden kalt und zum Teil sogar noch gefroren, doch die Lichtmenge nimmt schon deutlich zu, ein erster Anzeichen der kommenden Vegetationsperiode.

Unser letztes und erstes Schulgartenjahr war im Rückblick durchweg erfolgreich. Dank vieler hart arbeitender Schüler- und Lehrerhände ist aus einem hoffnungslos verwildert erscheinenden Gelände die Basisstruktur eines Gartens entstanden: Ein großes Gemüsebeet ist angelegt, ein fruchtbares Hügelbeet aufgeschichtet worden. Blühstauden begleiten den Zaun, ein großes Kompostsilo wurde aus Holzresten errichtet und lässt Mengen organischen Materials reifen.Die z.T. sehr alten Obstbäume bekamen einen formenden Astschnitt und können sich in diesem Jahr neu aufbauen.

Die Böschungsfläche zum Bahndamm wurde in einer schweißtreibenden  Aktion bis zum Erdboden von Wildkräutern und wildem Gebüsch befreit.
Das Schönste aber waren unsere Erträge: 80 (!) Kilo Zuccini, 8 Kilo Bohnen, 50 Kilo Kartoffeln, viele Zwiebeln, verschiedene Kohlarten, denen das nahrhafte Hügelbeet sichtlich gut tat, Lauchstangen, Salate wurden geerntet und zum Teil in der Schule verkauft.
Noch nicht befriedigend waren die Obsterträge. Die alten Bäume werden erst in den kommenden Jahres ein neues Fruchtgerüst aufbauen und Pflaumen und Zwetschgen hatten 2008 sowieso kein gutes Jahr. Man kann gespannt sein, wie sich die betagten Bäume entwickeln werden!
In diesem neuen Jahr steht wieder viel Arbeit an. Wir werden Nistkästen bauen und damit z.T. auch unsere Gartennachbarn in der Kolonie versorgen. Dann steht die Anzucht großer Mengen neuer Gemüsejungpflanzen an. Sie müssen in sinnvoller Weise auf die einzelnen Beetparzellen gepflanzt werden, je nach Nährstoffangebot und -bedürfnis. Wir sind gespannt darauf sein, wie Tomatenpflanzen auf den Standort im Hügelbeet reagieren. Im letzten Spätsommer war ein Teil der Beete mit Düngelupinen bepflanzt worden, dort werden wir in diesem Jahr mit verschiedenen Salaten beginnen.

Das größte Projekt jedoch ist der Abriss des Gartenschuppens und die Errichtung einer neuen Gartenlaube. Noch ist die Finanzierung unseres „Bauprojekts“ nicht gesichert, trotzdem haben wir uns fest vorgenommen, am Ende des Jahres damit fertig zu sein.

Das Beste jedoch ist, dass mit Beginn des Sommerhalbjahres auch unsere erste Profil-AG ihre Arbeit aufnimmt; Schülerinnen und Schüler der 7. bis 9. Klassenstufe ihre Belegungsverpflichtung im Profil-AG-Bereich mit der Teilnahme am Schulgartenprojekt abdecken können. Diese Kontinuität wird die weitere Entwicklung der Gartenfläche sehr fördern.