Gartenbau-Rückblick Winterhalbjahr 2010/11

Einer unserer Igel
Mitarbeiter Regenwurm
Anabel bei der Arbeit
Timon und Sebastian halten ein Referat
Arbeitsblatt zum Thema Kompostierung
Obstbaumschnitt mit dem Referenten Herrn Labitzke

Nach den Sommerferien begann unsere gemeinsame Arbeit als neues Gartenteam Ende August. Das Sommerwetter hatte aus gärtnerischer Sicht einen eher ungünstigen Verlauf gehabt: Nach einem erst spät einsetzenden Frühling gab es Ende Juni bis Mitte Juli sehr wasserarme Hitzeperioden, die zum Ende des Sommers von anhaltenden Niederschlägen abgelöst wurden. Für die diesjährigen Gartenkulturen hatte dieses Klima unterschiedliche Auswirkungen: Im Frühsommer, als die Kartoffelstauden eine konstante Bodenfeuchtigkeit zur Knollenausbildung benötigt hätten, fehlte diese, so dass der Ertrag nicht so hoch ausfiel wie in den letzten Jahren. Um Kohlenhydrate ( hier in Form von Stärke) in den Knollen einzulagern, müssen die oberirdischen grünen Pflanzenteile der Kartoffel genügend Photosynthese betreiben können. Dazu ist neben dem Kohlenstoffdioxid aus der Luft eine gleichmäßige Versorgung mit Wasser notwendig. Die Photosynthese-Vorgang läuft dabei wie folgend ab: Wasser + Kohlenstoffdioxid werden in den grünen Pflanzenteilen unter Einwirkung der Lichtenenergie umgewandelt zu Traubenzucker und Sauerstoff. Der Traubenzucker wird bei vielen Gemüsesorten dann in den Reservestoff Stärke umgewandelt. Des Weiteren hatten wir Parzellen mit Buschbohnen kultiviert, die im August bereits weitgehend abgeerntet waren. Bohnen gehören zu der Gruppe der Schmetterlingsblütler. Die dazu gehörenden Pflanzenarten sind häufig dazu in der Lage, durch die Mithilfe bestimmter Bakterien Stickstoff aus der Luft zu entnehmen und diesen in kleinen Wurzelknöllchen zu speichern. Deshalb haben wir die Wurzelreste der Bohnen auch im Boden belassen und dort mit umgegraben, um hiermit den Boden mit Gründünger anzureichern. Denn für ihr Wachstum brauchen Pflanzen die Mineralien Kalium (K), Phosphor (P) und Stickstoff (N). Umgegraben wird in unserem Garten vorzugsweise mit Grabegabeln und nicht mit dem Spaten, damit wichtige Bodenorganismen nicht verletzt werden. Die Regenwürmer z.B. lockern mit ihren Gängen den Boden auf, belüften ihn dadurch und ermöglichen ein tieferes Eindringen der Feuchtigkeit. Außerdem verwerten sie abgestorbene Pflanzenmaterialen und reichern den Boden durch ihre Ausscheidungen mit mineralstoffreichem Humus an. Deshalb belassen wir Pflanzenreste auch größtenteils im Garten und kompostieren sie. Durch die Tätigkeit der Destruenten wie Regenwürmer, Asseln, Schnurfüßler, Bakterien und Pilze bildet sich nährstoffreiche Komposterde. Auf ein Kompostsilo kann man alle ungekochten Pflanzenteile wir Laub, kleine Zweige, Rasenschnitt, Fallobst, verwelkte Blüten und ähnliches schichten, ja sogar Kleintierstreu sowie Pappe und Papier sind kompostierbar. Wichtig ist dabei eine lockere Schichtung und eine regelmäßige Bewässerung des Haufens. Nachdem etwa einem Jahr kann der fertige Kompost „geerntet“ werden. Dazu wird er gesiebt und breitflächig als Naturdünger auf den Beeten ausgebracht. Gute Erträge erzielten wir dieses Jahr bei Zucchinis und Roten Beten. Gerade Zucchinis sind Starkzehrer, das bedeutet, dass sie einen gut gedüngten Boden brauchen. Deshalb sollte man sie nicht auf Beete pflanzen, auf den denen schon im Vorjahr stark zehrende Pflanzen gestanden haben. Wie bei den meisten Beetkulturen ist hier auf die Einhaltung bestimmter Fruchtfolgen zu achten: Schwach-, Mittel- und Starkzehrer müssen sich auf den Beeten abwechseln. Genauso wichtig ist es, auf günstige Pflanzennachbarschaften zu achten. Manche Pflanzenarten hemmen sich in ihrem Wachstum, andere fördern sich, wenn sie nebeneinander gepflanzt werden. Zum Beispiel sollten Rote Bete nicht direkt neben Kartoffeln, Gurken nicht neben Bohnen wachsen. Gute Nachbarn sind dagegen Tomaten und Bohnen oder Zwiebeln und Möhren. Wir freuen uns nicht über jede Pflanze in unserem Garten. Eines der schwer zu bekämpfenden Unkräuter ist z.B. der Giersch. Diese Pflanze besiedelt bestimmte Flächen unseres Garten und verbreitet sich durch unterirdische Wurzeltriebe in rasantem Tempo. Möchte man die Pflanze langfristig entfernen, müssen unbedingt auch kleinste in der der Erde verbliebene Wurzelreste abgesammelt werden, sonst wachsen daraus wieder neue Gierschpflanzen. Neben dem mechanischen Entfernen hilft hier auch die Ausbringung einer dicken Mulchschicht. Mulchen nennen wir das Verfahren, bei dem pflanzliches Material wie Rindenstücke, Grasschnitt oder zerschredderte Zweige in einer mehrere Zentimeter dicken Schicht auf den Boden aufgebracht wird und dafür sorgt, dass Unkraut darunter von der Photosynthese abgeschnitten ist bzw. nicht neu auskeimen kann. Zudem hält sich die Bodenfeuchtigkeit darunter besser und die langsame Zersetzung des Materials reichert den Boden mit nährstoffreichem Humus an. Für den Pflanzenschutz sind auch tierische Helfer sehr nützlich: Bestimmte insektenfressende Vögel wie Meise oder Amsel, aber auch Säugetiere wie Igel und Fledermäuse tragen zu einer natürlichen Reduzierung von Pflanzenschädlingen wie z.B. der Blattlaus, den Nacktschnecken oder Obstmaden (den Larven der Apfel- oder Pflaumenwickler) bei. Deshalb sollte ein Garten für diese Tiere attraktiv gestaltet sein: Nistkästen, dichte Hecken, Fledermauskästen bieten den Tieren Unterkunft, bewusst „wilde“ und naturnah belassene Gartenecken mit Zweig- und Laubhaufen locken Igelfamilien an. Andere Insekten haben wir als sehr nützlich erkannt. Zur Bestäubung der Blüten an Obst- oder Gemüsekulturen werden bestimmte Insektenarten wie Hummeln oder Bienen benötigt. Sie tragen beim Besuch der Blüte die männlichen Geschlechtszellen (Pollen) zur weiblichen Narbe. Im Fruchtknoten der Blüte findet dann die Befruchtung statt. Im allgemeinen entwickelt sich dann aus der befruchteten Eizelle der Samen und aus dem wachsenden Fruchtknoten die Frucht der Pflanze. Hummeln fliegen schon zeitig im Frühjahr zur Bestäubung aus, da sie aufgrund ihres dicken Pelzes ziemlich kältetolerant sind. Honigbienen können wir erst später erwarten. Wir wollen insbesondere für Wildbienen in diesem Jahr Nistkästen in Form von mit hohlen Stängeln gefüllten Holzrahmen bauen und im Garten aufhängen. Dort nisten dann auch Schlupfwespen, die als Raupentöter sehr nützlich sind. Im Herbst des letzten Jahres haben wir alle Beete umgegraben und dann Gründüngung ausgesät. Zu diesen Pflanzen gehören z.B. Gelber Senf, Bienenweide und Lupinen. Sie keimen noch vor dem Winter und bedecken die bloße Erde mit einer Schicht junger Pflanzen. Dadurch wird die Erde vor starken Niederschlägen und der Abschwemmung geschützt, Nährstoffe und Bodenstruktur bleiben erhalten. Wir haben uns in diesem Jahr für Winterroggen entschieden, da diese Pflanze auch noch im Oktober/November keimt, sehr frosthart ist und durch ihre tiefen Wurzeln den Boden tiefgründig lockert. Außerdem unterdrückt sie im Frühjahr das Wachstum von Unkräutern. Im März werden wir den Roggen in den Boden einarbeiten und damit die erste natürliche Düngung unserer Beete vornehmen. Und freuen wir uns auf ein erfolgreiches Erntejahr 2011 gemäß dem Motto der Gärtner: „Gut grün!“

 

A. Informationen für die Eltern

Gartenbau ist eine Kunst und eine Wissenschaft gleichzeitig. Außer dem Zugang zu Ästhetik und Gestaltungsliebe sind umfangreiche biologische Kenntnisse erforderlich, das Zusammenwirken dieser Voraussetzungen erst schafft die Grundlage für Erfolge mit nachhaltigen Erträgen. Dazu bedarf es noch Tugenden wie Geduld, Freude an körperlicher Arbeit und die Bereitschaft, aufmerksam hinzusehen und Wachstumsvorgänge kontrollierend zu begleiten.

Nicht umsonst ist das Gärtnern von jeher eines der wichtigsten Ausgleichsbeschäftigungen der Bundesbürger. Umso bedauerlicher erscheint unter diesem Aspekt die fehlende Fachkompetenz, mit der manche Freizeitgärtner das ihnen anvertraute Stückchen Erde bearbeiten. Da wird gedüngt, ohne den Bedarf der jeweiligen Böden zu berücksichtigen, dabei das ohnehin belastete
Grundwasser städtischer Gebiete verunreinigt; es werden Pflanzenschutzmittel angewendet, die bei sinnvollerer Planung der Bepflanzungen gar nicht nötig gewesen wären; im Sommer werden Unmassen von Trinkwasser zum Wässern verschwendet, wertvolle Biomasse wandert immer noch in großen Mengen in den Hausmüll. Hier könnten so manche ökologischen Schäden und persönliche Enttäuschungen vermieden, so mancher sinnlos ausgegebener Euro gespart, der gesundheitsschädliche Verzehr von eigenständig überdüngtem Gemüse ausgeschlossen werden.

Die schulische Bildung liefert bestenfalls Teilstückchen zum Erwerb des nötigen Fachwissens. Vorgänge wie Photosynthese, Bestäubung, Befruchtung und Keimung bleiben im Klassenraum bei allem Bemühen um Methodenvielfalt eher doch theoretische Inhalte. Je weiter wir in den gymnasialen Jahrgängen aufwärts gehen, umso mehr sind Inhalte wie ökologische Kreisläufe, Abbauprozesse und Vererbungsgesetze Bücherwissen, sie bleiben letztlich bei allem intellektuellen Erfassen „unbegreifbar“, und das auch im besten Sinne!

Das liegt -nicht nur bei den Naturwissenschaften- in der jetzigen Struktur von Schule begründet. In zwölf Jahren soll ein Schüler seine Allgemeine Hochschulreife erlangen, da fehlt die Zeit für Vertiefung und Anwendung. Hier möchte die Profil-AG Gartenbau wie alle unserer Angebote einen fördernden Beitrag liefern. Begleitend zu den Unterrichtsinhalten wie Photosynthese und Zellatmung, Ernährung und Verdauung, Nahrungsketten und Ökosystemen bietet sich hier die Möglichkeit, die im Unterricht erworbenen Erkenntnisse zu vertiefen und praktisch anzuwenden. Wer als junger „Biologe“ eine ganze Vegetationsperiode in einem überschaubaren Ökosystem wie unserem Schulgarten begleitet hat, weiß später auch im Bio-Abitur, wovon er spricht.       

B. Informationen für die Schüler

„Tomate und Co.“ bedeutet eigentlich: Tomate und Graben, Mikroskopieren, Äste absägen, Unkraut zupfen, Vogelkunde und Nistkastenbau, Erde unter den Fingernägeln und Schweiß auf dem Rücken, Bodenchemie und Lichtmessung, Rasenmähen, Pflanzenbestimmung, Erdbeernaschen, Projektteamleitung,
Misserfolge und Erfolge, Exkursionen, Zeichnen und Kartieren, Arbeitsregeln, Wässern, Internetrecherche Lachen und Ärgern, Zoologie, Botanik und vieles anderes mehr.

Folgende Tabelle zeigt euch eine kurze Übersicht darüber, was euch erwartet und was von euch erwartet wird.

regelmäßige und engagierte Teilnahme an den Theoriestunden in der Schule; Mappenführung
Vorbereitung und Präsentation eines Referats zu einem bestimmten Thema im Bereich Gartenbau
disziplinierte und erfolgsorientierte Mitarbeit bei den praktischen Arbeitseinsätzen im Schulgarten
Mindestens einmal Vorbereitung und Leitung eines Arbeitsteams im Schulgarten nach Absprache
Abprüfung des erworbenen Wissens in Formeines kleinen „Gartenbau-Examens“ am Ende des Halbjahres

Der Schulgarten liegt in Waldheim. Ihr kommt mit den Buslinien 124 und 128 dorthin. Alles weitere besprechen wir im Februar.

Bis dahin, Th. Ivanovs